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Geschichten auf meiner Haut

Täglicher Schreibanreiz
Welches Tattoo möchtest du und an welcher Körperstelle?

Oft habe ich mit Freundinnen in „Sektlaune“ die fixe Idee, dass wir uns ein Tattoo stechen lassen sollten. Etwas Kleines, das uns verbindet. Heraus kommen dann geistreiche Dinge wie „Liebe ist alles“ oder einfach nur ein Aperol-Glas. Gott bewahre, dass uns in dieser Stimmung tatsächlich jemand tätowieren würde – mein Körper sähe entsprechend aus. 🙂

Tattoos sind für die Ewigkeit. Sie tragen Erinnerungen in sich, sollen an Gedanken, Eigenschaften oder geliebte Menschen erinnern. Ich möchte mir noch viele Tattoos stechen lassen, und jedes einzelne soll mich an schöne Zeiten mit bestimmten Personen erinnern. Da wäre zum Beispiel der Bube aus dem Kartenspiel, die Signatur meiner Eltern aus ihren unzähligen Postkarten oder ein Gänseblümchen, das mich an die verstorbene Oma meines Mannes erinnert.

Ich möchte vor dem Spiegel stehen, über meine Tattoos streichen und dabei lächeln. So wie jetzt schon. Oft vergesse ich, dass ich sie überhaupt habe – und wenn ich sie dann wiederentdecke, ist es jedes Mal aufs Neue ein schöner Moment.

Zwei meiner Tattoos befinden sich auf meinen Rippen, ganz nah am Herzen. Das eine ist die Figur eines Läufers aus dem Schachspiel. Ich habe es mir stechen lassen, als ein guter Freund starb. Auf seiner endlosen Bucketlist stand genau dieses Tattoo. Er konnte es sich nicht mehr stechen lassen – also haben wir es als Freunde für ihn getan. So trage ich immer eine Erinnerung an ihn bei mir, die mir ein Lächeln ins Gesicht zaubert und mich an all die schönen Momente erinnert.

Das andere Tattoo habe ich mir zur gleichen Zeit stechen lassen. Es ist ein Zitat von Rosa Luxemburg. Als meine Oma starb, ging ich noch einmal in ihre Wohnung, um zu sehen, welche Erinnerungsstücke ich mitnehmen möchte. In ihrer Küche hing ein Bild von mir an der Pinnwand. Meine Oma hatte die Angewohnheit, sich Zitate aus Zeitungen aufzuschreiben, die sie mir später am Telefon vorlas. Und genau an meinem Bild hing ein Zettel:

„So ist das Leben und so muß man es nehmen, tapfer, unverzagt und lächelnd – trotz alledem.“

Es fühlte sich an wie ein letzter Gruß von ihr an mich. Zwei Jahre lang hing dieser Zettel gerahmt in meinem Schlafzimmer. Heute ist er genau so, wie sie ihn geschrieben hat, bei meinem Herzen tätowiert. Und ich kann mir keinen schöneren Abschiedsgruß vorstellen als diesen – einen Satz, der nun für immer ein Teil von mir ist.

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