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Eigentlich waren wir fertig….

Lange war ich mir unsicher.

Ich bin mit 20 Mutter geworden, mit 24 hatte ich bereits zwei Kinder. Mein erstes Kind bekam ich also quasi während des Bachelorstudiums, das zweite während des Masters.

Viele Jahre später, mit 35, standen mein Mann und ich mitten im Leben. Die Kinder waren inzwischen so selbstständig, dass wir uns langsam wieder auf ein Leben zu zweit einstellen konnten. Ausschlafen, spontan abends ausgehen oder sogar mal ein Wochenende allein verreisen – plötzlich schien alles wieder möglich. Unser Strauß an Möglichkeiten war riesig geworden.

Wenn da nicht dieser kleine Wunsch gewesen wäre.

Ich wollte immer ein „Entspannungsbaby“. Bei meinen ersten beiden Kindern hatte ich weder Elternzeit noch Mutterschutz. Ich bekam die Kinder während der Semesterferien und saß nur drei Wochen später wieder im Hörsaal. Es war eine wunderschöne, aber auch unglaublich anstrengende Zeit. Und obwohl ich es genauso wieder machen würde, fühlte sich unsere Familie irgendwie nie ganz komplett an.

Schon meine Oma sagte damals, dass ich noch jung genug für ein drittes Kind sei. Doch lange Zeit verhinderten meine Rheumamedikamente überhaupt, darüber nachzudenken. Also erzählte ich jedem, „mein Ofen sei aus“ – während mir Kleinkinder, die nach ihrer Mama riefen, regelmäßig einen Stich versetzten. Außerdem ließ ich mich damals noch stark von den Meinungen anderer beeinflussen. Immer schwang dieser Gedanke mit: Was sollen nur die Leute denken?

Irgendwann beschlossen wir dann einfach, es zu wagen. Natürlich nicht sofort. Zuerst musste ich alles mit meiner Rheumatologin besprechen, und erst drei Monate nach ihrem Okay konnten wir wirklich loslegen.

Übrigens wünschten sich auch die Kinder noch ein Geschwisterchen – je nachdem, wen man fragte, entweder einen kleinen Bruder oder eine kleine Schwester.

Und so kam es, dass wir im Urlaub in Rostock waren und mein Mann an einem Sonntagabend bei REWE einen Schwangerschaftstest kaufte. Ja, in Warnemünde haben die Geschäfte im Sommer tatsächlich auch sonntags geöffnet. Ich wusste damals übrigens gar nicht, dass man Schwangerschaftstests einfach im Supermarkt kaufen kann. Und wenn ich heute darüber nachdenke, habe ich danach nie wieder einen bei REWE gesehen.

Wie schon 15 Jahre zuvor, als ich noch in Rostock wohnte, hielt ich plötzlich wieder einen positiven Test in den Händen. Es fühlte sich an, als hätte sich ein Kreis geschlossen.

Als wir es den Kindern erzählten, rechneten wir eigentlich mit strahlenden Gesichtern. Unser Großer war auch sofort aus dem Häuschen. Doch meine Tochter reagierte völlig anders. Sie war aufgelöst, weinte und erklärte uns, dass sie ihre Meinung geändert hatte. Sie wollte plötzlich doch kein Geschwisterchen mehr.

Sie war komplett überfordert – und es brach mir das Herz.

Bestimmt drei Monate dauerte es, bis sie sich mit dem Gedanken angefreundet hatte. Und vielleicht war es am Ende sogar gut, dass sie einen Bruder bekam. So bleibt sie immer mein einziges Mädchen.

Auch in unserem Umfeld fielen die Reaktionen gemischt aus. Schließlich wusste niemand, wie lange wir diesen Wunsch schon mit uns herumgetragen hatten.

Heute ist unser kleiner Junge schon zweieinhalb Jahre Teil unserer Familie. Und ich kann nur sagen: Jetzt fühlt es sich komplett an.

Auf Instagram sehe ich oft Reels über das dritte Kind, und sie treiben mir regelmäßig die Tränen in die Augen. Denn vieles davon stimmt tatsächlich. Das dritte Kind bringt noch einmal eine ganz besondere Liebe mit sich. Er ist unser aller Kind. Er verbindet uns. Während sich meine Großen früher oft gestritten haben, tragen sie ihren kleinen Bruder heute auf Händen.

Ich kann dieses Gefühl kaum beschreiben.

Unser großer Strauß an Möglichkeiten ist inzwischen zwar wieder auf ein paar kleine Blümchen zusammengeschrumpft. Aber ich weiß auch: Die Zeit, bis er wieder größer wird, wird viel zu schnell vergehen.

Und übrigens noch ein kleiner Spoiler zu meiner Elternzeit: Sie verlief völlig anders, als ich es mir vorgestellt hatte. Denn es passierten Dinge, die niemand hätte vorhersehen können.

Heute bin ich fest davon überzeugt, dass ich diese Elternzeit nicht ohne Grund hatte. Und dieser Grund war nicht nur mein Baby. Der eigentliche Grund war, dass ich einfach da war.

Aber das ist eine Geschichte für ein anderes Mal …

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