Zwischenpausen

Mein Leben, mein Tempo und manchmal gar keins: Zwischen Kindern, Alltag und mir selbst

Manche Orte bleiben

Früher war das Beste an den Sommerferien der gemeinsame Urlaub in Schweden. Meine Tagebücher waren voll mit Packlisten, Playlists und jeder Menge Vorfreude. Wir haben diese drei Wochen Camping geliebt. Nicht, weil es Luxus war, sondern weil wir zusammen waren. Meine Familie und die Familie meiner Tante.

Diesmal waren nur wir drei hier: meine Schwester, meine Cousine und ich. Denn damals, auf dem Weg zum Campingplatz, kamen wir immer an einem Hotel vorbei. Wir drückten unsere Nasen an der Autoscheibe platt und wünschten uns, einmal dort zu schlafen. Statt auf einem harten Zeltboden ein weiches Bett zu haben.

Aus einer Sektlaune heraus beschlossen wir, einfach mal zu schauen, ob ein Zimmer für uns frei wäre. Und tatsächlich: Familienzimmer mit Gemeinschaftsbad. Luxus mit Campingvibes. Perfekt!

Eigentlich war es nur ein Kurztrip, doch emotional wurde er so viel größer. Denn schon bei der Ankunft am Fährhafen hatten wir das Gefühl, zu Hause zu sein. Vertraute Landschaften, vertraute Gerüche, vertraute Sprache. Wir erkannten Orte wieder, an die wir uns teilweise kaum noch erinnern konnten.

Natürlich haben wir auch unseren alten Campingplatz besucht. Dort waren wir als Kinder jedes Jahr. Wir kannten jeden Winkel, wussten, welcher Wohnwagen zu wem gehört. Heute sind wir erwachsen und trotzdem hat es sich wieder so vertraut angefühlt.

Da waren diese alten Bänke vor der Küche, auf denen wir Abend für Abend Karten gespielt und uns mit anderen Leuten getroffen hatten. Nun saßen wir wieder dort. Fast so wie früher. Und warteten darauf, wer von unseren Freunden gleich um die Ecke kommen würde.

Die Tische waren die gleichen. Unsere eingeritzten Initialen waren über die Jahre wohl verschwunden. Das „Hallo Leute“ hingegen stand noch immer an der Pinnwand. 20 Jahre jetzt schon.

Wir haben so viel gelacht – über alte Geschichten, uns selbst und das Leben. Für einen Moment waren wir wieder die Kinder von damals. Wir haben Momente neu eingeordnet, die früher für uns selbstverständlich waren und nun eine ganz andere Bedeutung bekommen haben.

Genauso wie der Campingplatz nicht mehr der gleiche Ort ist, sind wir es auch nicht mehr. Drei Frauen, drei verschiedene Geschichten, eine Kindheit.

Damals als Kinder kamen wir immer mit einem komplett neuen Selbstbewusstsein nach Hause. Und die Magie des Neuanfangs hat sich auch jetzt wieder über uns gelegt. Sei es eine neue Haltung oder auch nur die extravaganten Ohrringe, bei denen sonst immer der Mut fehlte, sie zu tragen. Vielleicht nur ein kleines Detail. Und trotzdem ein Zeichen dafür, dass sich etwas verändert hat.

Tage nach unserem Trip habe ich immer noch das Gefühl, als hätten wir die Zeit zurückgedreht. Als wäre ich wieder das Mädchen von früher, das drei Wochen in Schweden verbracht hat und mit einem neuen Gefühl für sich selbst nach Hause gekommen ist.

Manche Orte tragen wohl einen Teil von uns, den man erst wiederentdeckt, wenn man zurückkehrt.

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